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Let’s do the Time Warp

Konfetti zwischen den Anziehsachen, die nicht nur leicht durchnässt, sondern auch spärlich ausfallen? Herzlich willkommen in der Rocky Horror Picture Show.

Als meine erste Vorführung der Rocky Horror Show anstand, hatte ich zumindest den Film vorher schon gesehen und wusste so immerhin grob, was mich erwartet. Immer wieder amüsiere ich mich herzlich, wenn Neulinge im Publikum sitzen, die überhaupt keine Ahnung haben, was sie erwartet. Davon gab es auch einige, die bei der Vorführung zugunsten der Mobilen Kindertafel im Schwarzen Adler mit dabei waren. Dazu aber später mehr.

Vorweg sei gesagt, die Geschichte an sich ist schon alleine verdammt verrückt. Brad und Janet sind nach einer Hochzeit auf dem Weg zu einem Freund, Dr. Scott, haben jedoch eine Reifenpanne. Durch diese Panne landen sie im Schloss von Frank N. Furter. Was ihnen da alles passiert, grenzt nicht nur an Wahnsinn, sondern ist der unermüdlichen Fantasie von Regisseur Jim Sharmann zu verdanken.

Nur einige der Utensilien, die für eine Vorführung benötigt werden.

Zu dieser schon skurrilen Geschichte gehören auch eine Menge Aktivitäten, die während der Aufführung ausgeführt werden. Um es mal ganz deutlich zu sagen: Es ist ein Mordsspaß, wenn das Konfetti, die Wasserpistolen und die Toilettenpapierrollen herausgeholt werden, denn genau so ist es unter Kennern der RHPS üblich. Nach der Hochzeit zu Beginn des Films wird so zum Beispiel mit Konfetti geworfen. Als dann ein Regenschauer und ein Gewitter Brad und Janet überraschen, ziehen sich alle eine Zeitungsmütze auf und spritzen mit Wasserpistolen. Achtung, wer hier jetzt sagt, och nö, nass werden ist jetzt aber blöd, ist definitiv am falschen Ort. Neben dem Werfen von Toilettenpapierrollen und Karten aus einem Kartenspiel ist eines der Höhepunkte der Time Warp. Wer sich hier unsicher umschaut, dem sei gesagt, keine falsche Scham: Jetzt darf getanzt werden! Wie der Saal nach all dem aussieht? Wild. Aber genau so muss es sein, denn diese Geschichte lebt von den Interaktionen, die übrigens auch Reinrufen während der Vorstellung erlauben. So darf während der Ausführungen des Erzählers gerne ein „boring“ oder auf Deutsch „langweilig“ hereingerufen werden. Auf der Bühne sind die Erzähler das mehr als gewöhnt und müssen schon mal gegen eine Anzahl an Zwischenrufen ankämpfen. Aber, das ist keineswegs störend, sondern typisch RHPS.

Wer am Ende des Abends ohne Konfetti in den Anziehsachen, Toilettenpapierstücken und einem breiten Grinsen aus dem Saal geht, hat definitiv etwas Falsch gemacht, denn dieses Stück ist ein absoluter Gute-Laune-Garant. Und weil es so schön war, noch mal:

It’s just a jump to the left

And then a step to the right

With your hands on your hips

You bring your knees in tight
But it’s the pelvic thrust
That really drives you insane
Let’s do the Time Warp again
Let’s do the Time Warp again

 

Sarah Weber ist als Journalistin und Bloggerin am Niederrhein unterwegs. 2015 hat sie ihren 2-Fach-Master in Germanistik und Niederlandistik an der Universität Duisburg-Essen abgeschlossen und ist seitdem wieder in ihrer Heimatregion unterwegs. Neben dem Schreiben engagiert sich die Wahlmoerserin auch in der lokalen Kulturszene. Auf ihrem Blog entdeckt die Journalistin die Schönheiten ihrer Heimat und lässt ihre Leser an ihrem Leben teilhaben. Mal ernsthaft, mal amüsant, aber zu 100 Prozent immer authentisch und mit Freude an ihrer Passion - dem Schreiben.