40 Jahre älter in fünf Minuten

Im Rahmen der “Woche des Respekts” bot René Schneider, SPD-Landtagsabgeordneter, die Möglichkeit an, einen Alterssimulationsanzug zu testen. Keine Frage, das probiere ich natürlich aus.

Bereits beim Anziehen der Gewichte merke ich, was diese für einen Unterschied ausmachen. In die Schuhe komme ich ohne Hilfe gar nicht mehr hinein. Ein komisches Gefühl, so auf Hilfe angewiesen zu sein. Nachdem ich alle Gewichte am Körper trage, bekomme ich die Brille und die Kopfhörer aufgesetzt. Ich fühle mich ein bisschen, wie in einer anderen Welt. Ich stelle mir vor, dass sich Astronauten so fühlen müssen, wenn sie durch die Gegend schweben. Nur dass ich nicht schwebe, sondern eher wie ein Elefant laufe. Die 35 Kilogramm mehr auf meinen Knochen machen sich beim Laufen bemerkbar.

Während ich sonst immer über andere die langsam laufen schimpfe, bin ich jetzt diejenige die hinterher schlurft. Nur langsam komme ich vorwärts und stehe schon bald vor meinem nächsten Problem: Wie soll ich diese Treppe hinunterkommen? Ich gehe etwas in die Knie und versuche es seitlich. Keine Chance. Ich brauche das Treppengeländer.

Nach nur fünf Minuten spüre ich, wie das Gewicht der Weste mir auf die Brust drückt, und ich nicht mehr so gut atmen kann. Ich schnaufe wie ein alter D-Zug und sehne mir einen Stuhl herbei. Oder einen Stock. Irgendetwas, auf das ich mein Gewicht abstützen kann. Langsam wird mir auch warm unter dem zusätzlichen Gewicht und ich freue mich, dass ich den Anzug gleich ausziehen kann. Mit der Abnahme jedes Gewichtes atme ich erleichtert wieder auf. Wie viel einfacher das Leben so doch ist. Trotzdem laufe ich anfangs noch etwas unrund. Vielleicht liegt es an dem Gefühl, welches gefühlt noch auf mir liegt. Das Gewicht der Erfahrung, die ich durch dieses Experiment gemacht habe. Mein vollster Respekt an alle Menschen, die dieses Gewicht, jeden Tag mit sich herumtragen müssen.

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