I’m moersified!

moers festival. Das ehemalige Jazz Festival kennt jeder Moerser. Aber muss man schon lange nicht mehr hin. Oder?

Es begann alles mit Musik. Mit ziemlich lauter, eindringlicher, Gute-Laune-Musik. Musik, die mich aus meiner Innenstadtwohnung hinaus auf die Straße lockte. Was ich dann dort sah, ließ mich direkt entzückt mein Handy herausholen und im Takt der Musik mitwippen. Große Figuren stolzierten über die Straße und wurden dabei von einer Musiker-Kombo begleitet. Überall blieben Menschen stehen und machten Fotos und Videos. Oder tanzten mit den überlebensgroßen Figuren. Wann tanzt man auch schon mal mit einer Hand? Oder einem Nilpferd? Oder einer Figur, die mich an die Monster AG erinnerte? Welch tolle Einstimmung auf das Festival-Wochenende und welch Vorausahnung, dass dieses Jahr etwas anders ist.

In der Tat, schon im Vorfeld ließen die Ankündigungen von Tim Isfort den Verdacht aufkommen, dass er das moers festival anders machen will. Dass er diejenigen, die früher fester Bestandteil des Festivals waren, wieder einbinden will: Die Moerser. Jene Spezies, die sich in den letzten Jahren immer mehr vom moers festival distanzierte und immer seltener einen Besuch im Terminkalender einplante. Pfingsten. Da fährt man nach Holland oder genießt die Seeluft an der Ostsee. Aber zu Hause bleiben und die Festivalstimmung genießen? Stand für viele schon nicht mehr auf der Agenda. In diesem Jahr sollte es anders werden.

Tim Isfort und sein gesamtes Team holten die Moerser ab. Nicht nur im übertragenen Sinne. Die Snuff Puppets wiesen bereits den Weg zum Festival. Und dort auf dem Festivalgelände erwartete die Besucher eine völlig neue Atmosphäre. Das neu gestaltete Festivaldorf lud zwar nach wie vor zum Stöbern und Essen ein, das Herz des Platzes war jedoch der mit Sitzpaletten gestaltete Bühnenbereich. Schon bei der ersten Begehung spürte man: Hier hat sich etwas getan. Hier ist etwas anders. Es fühlt sich an, wie nach Hause kommen. Und dieser Platz wurde für viele in den nächsten Tagen in der Tat wie ein Zweites zu Hause.

Es wurde gelacht, getanzt, getrunken und gefeiert. Ebenso, wie es sich für ein Festival gehört. Und dass nicht nur von Festivalbesuchern von weit weg, sondern auch von Moersern. Moerser, die sich erst umschauten im neuen Festivaldorf und dann zufrieden feststellten, dass ein Teil des Spirits von früher wieder zurückgekehrt ist. Wie zum Beispiel beim Auftritt von Slik Tiger die mit ihrer frischen Musik das Publikum nicht nur begeisterten, sondern im Anschluss auch eifrig Autogramme geben mussten.

Überhaupt lag in diesem Jahr der Fokus der Festivalmacher darauf, das Festival wieder für alle zugänglich zu machen. Für eingefleischte Jazzfans, aber auch für die Familie von nebenan, die gerne zur Musik tanzt, aber keine großen Jazzfans sind. Musik gab es für jeden. In jeder Form und Farbe. In lauten, ja wirklich sehr lauten Tönen und auch in leisen, beinahe geflüsterten Tönen wie in der St. Josef Kirche. Dort spielte, oder besser gesagt verzauberte Julien Baker Freitagnacht mit ihrem Gesang.

Direkt bei den ersten Tönen der Amerikanerin bekam ich eine Gänsehaut und musste schlucken. Ihre leise, sanfte Stimme passte so perfekt in diese Kirche, dass es mir den Atem raubte. So sanft wie ein lauer Sommerabend trug ihre Stimme die Besucher mitten in der Nacht an einen weit entfernten Ort. Nicht selten sah man Besucher, die verträumt die Augen schlossen, und sich forttragen ließen. Vielleicht lag es an den zwei Gläsern Wein, vielleicht an der leichten Müdigkeit, aber gepaart mit Bakers’ Stimme wollte ich ebenfalls nur die Augen schließen und mich von ihrer Stimme tragen lassen und zu träumen beginnen. Eines meiner persönlichen Highlights.

Nachdem es mich wirklich jeden Tag zum Festivaldorf lockte, muss ich abschließend, und voller Bewunderung für die Macher, gestehen: I’m moersified!

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