One billion rising

Von der Aktion “One billion rising” hatte ich bereits gehört, sie aber noch nie besucht. Bis zum heutigen Tag, der mich einige Tränen kostete.

“One billion rising” – das steht für eine Milliarde Frauen, die nicht nur ihre Stimme, sondern sich auch körperlich in Form eines Tanzes erheben. Eine Milliarde deshalb, weil es laut UN-Statistik eine Milliarde Frauen sind, also eine von Dreien, die im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt wird. In Moers wird die Aktion von der Organisation “Frauen helfen Frauen” und in Kooperation mit vielen anderen Institutionen und Personen durchgeführt.

Barbara Folkerts, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Moers, traf mit ihren Worten mitten ins Herz. Sie weist auf die erschreckenden Zahlen der Frauen und Mädchen hin, die Opfer der Genitalverstümmelung werden und in Deutschland genau deshalb um Asyl bitten: 47.000 Frauen, die in Deutschland leben, so die jüngsten Analysen des Bundesfamilienministeriums, sind Opfer der barbarischen Tradition. Als Folkerts Zahlen und Fakten nennt, muss ich schlucken. Ich erinnere mich an meine erste Auseinandersetzung mit dem Thema. Vor zehn Jahren habe ich erstmals Waris Diries Buch “Wüstenblume” gelesen. Umso sehr mich die Geschehnisse in dem autobiografischen Roman getroffen haben, umso schockierender waren die Szenen im gleichnamigen Film. All diese Bilder kommen bei Folkerts Worte hoch und ich schlucke tapfer die hochkommenden Tränen herunter. Im gleichen Moment wird mir die Absurdität dieses Gedankens deutlich: Warum muss ich meine Tränen herunterschlucken? Ist dieses falsche Empfinden von “Tapferkeit” nicht auch genau jenes, welches Frauen in manche Situationen ausharren lässt? Dass sie nicht zur Polizei gehen lässt, obwohl sie körperlicher, sexueller oder verbaler Gewalt ausgesetzt sind?

Es ist nur ein Tanz, den zahlreiche Frauen im Anschluss tanzen, aber dieser Tanz drückt so viel aus: Wir stellen uns gegen die Gewalt an Frauen. Wir setzen ein Zeichen für mehr Toleranz und Solidarität mit Frauen, die solche Erfahrungen machen mussten.

 

Foto: Heike Cervellera

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