Restsommer – Kea von Garnier
Restsommer von Kea von Garnier beschreibt diesen einen Sommer in der Jugend, der alles ändert.
Das erste Mal Verknallt sein mit allem drum und dran ist so besonders wie auch beängstigend. Vor allem, wenn alle Wege, die bisher für einen vorgezeichnet schienen, dadurch ins Wanken geraten. Oder auch gerade deshalb. Restsommer ist ein Roman über genau diese Zeit – und vielleicht genau deshalb mitten ins Herz.
Geschichte
Dominik soll nach der Schule das „Institut“ übernehmen, wie es immer nur genannt wird. Das Institut ist ein Beerdigungsinstitut. Und Dominik hilft seinem Vater, der getrennt von der Mutter lebt, seit vielen Jahren immer wieder aus. Aber will er das auch wirklich sein Leben lang weitermachen?
Es ist nicht so, dass die Leute mir nicht leidtun. Jemanden zu verlieren, den man liebt, das kann einen brechen, einen richtig fertigmachen. Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte.
S. 33
Und dann tritt Biff in Dominiks Leben. Er ist mit seiner Familie von Berlin aufs Land gezogen und geht in die gleiche Klasse. Von Anfang an ist da eine Verbindung zwischen den beiden. Doch Dominik weigert sich erst, mit dem Kopf zu verstehen, was sein Körper ihm längst sagt. Er mag Biff. Sehr. Doch wie soll das funktionieren auf dem Land?
Wenn du auf jemanden stehst, dann fühlst du das. Hier drin. (…) Wie Elektrizität, verstehste? Wenn du die Person nur anguckst, kriegst du schon einen Schlag.
S. 58
Und dann versteht Dominik. Und lässt sich fallen. Bis einige Sachen geschehen, die ihn alles neu überdenken lassen.

Meine Meinung
Restsommer. Ich mag den Titel. Er suggeriert den Teil von etwas, was bereits begonnen hat. Und doch ist auch etwas Neues möglich. Gerade in dem Alter, in dem der Protagonist ist. Und obwohl Dominik denkt, dass Alles bereits vorbestimmt ist, dreht sich sein Leben auf einmal.
Für einen Moment fühle ich nichts als eine angenehme Entspannung. Diese seltsame Schwere, die mich in letzter Zeit so oft überfallen hat, besonders wenn ich allein war (…) es taucht nicht auf. Ich hatte mich zuletzt schon gefragt, ob das vielleicht Erwachsensein ist.
S. 90
Kea von Garnier schafft es in Restsommer genau diese Gefühle so bildlich zu beschreiben, dass mein Kopf sich sofort zurückversetzt fühlt. Und nicht nur mein Kopf. Ich bin selbst wieder 16 und fühle diese Überforderung der Gefühle. Und gleichzeitig diesen Drang nach Freiheit. Nach dem Treffen von eigenen Entscheidungen. Nach sich ausprobieren.
Ich will einfach nicht, dass diese Nacht aufhört (…) Das ganze pulsierende, heiße, lebendige Gefühl wird von mir abfallen, wird versickern auf dem menschenleeren Marktplatz, in der Stille des Friedhofs. Ich will zwischen diesen Moment und mich so viele Erlebnisse legen wie möglich.
S. 219
Und dann ist da dieses zarte Gefühl, was sich zwischen Biff und Dominik aufbaut und Kea von Garnier von der anfänglichen Vorsicht bis zur Explosion elektrisierend beschreibt, dass mein Herz beim Lesen schneller klopft und ich die beiden ständig darin bestätigen möchte, sich fallen zu lassen. Denn dieses Verknallt sein, dieses Gefühl, miteinander alles zu schaffen, ist doch letztlich das Schönste der Welt.
Fazit
Restsommer ist ein wundervoller Coming-of-Age-Roman, der mich berührt hat und nostalgische Gefühle wachgerufen hat.
- Werbung durch Rezensionsexemplar: Für diesen Blogbeitrag habe ich ein Rezensionsexemplar vom Blessing Verlag gestellt bekommen. Meine Meinung ist davon nicht beeinflusst.

