The Secret of the Stone

Simbabwe. Ein Land, weit entfernt von uns, dessen Kultur uns aber durch die bekannte Shona-Art näher gebracht wird. In diesem Fall sogar sehr nah.

Im Rahmen einer Reportage für die Kr-One darf ich an einem Shona-Art-Workshop im Krefelder Zoo teilnehmen. Spannend nicht nur, da ich bisher keinerlei Erfahrung im Bereich der Bildhauerei habe, sondern auch, weil ich mit einem berühmten Künstler zusammenarbeiten darf. Wimbai Ngoma ist zurzeit in Deutschland unterwegs und gibt Workshops, in denen Interessierten die Shona-Art beigebracht wird. Als Erstes darf ich mir einen Stein aussuchen. Es gibt zahlreiche, riesige Serpentinsteine, die noch vollkommen unbehandelt sind. Ich muss zugeben, dass ist mir aber doch eine Nummer zu groß. Stattdessen entscheide ich mich für einen der kleineren Steine, die schon in Form gebracht wurden, deren wahre Schönheit aber noch hervorgeholt werden muss.

Noch ist der kleine Elefant unbehandelt und wartet darauf, gefeilt zu werden.

Wimbai erklärt mir viel über die Steine und die Beziehung, die die Bildhauer zu ihnen haben. Für sie sind es nicht einfach nur Steine, sondern Kunstwerke, über die sie sich ausdrücken können. Jeder Stein hat sein eigenes Geheimnis und die Arbeit des Bildhauers besteht darin, dieses zu lüften und die verborgene Schönheit hervorzuholen. Wenn man die vielen groben Serpentinsteine auf der einen Seite und die filigran geformten Figuren auf der anderen Seite sieht, grenzt es an wahrer Magie, wie die Bildhauer das aus den Steinen hervorholen.

Bevor der Stein aber fertig ist, wird er einem langen Prozess unterzogen. Es muss gemeißelt, gefeilt und geschmirgelt werden. Und das immer und immer wieder. Während ich mit fünf verschiedenen Schmirgelpapieren nacheinander meinen kleinen Elefanten in Form bringe, hörte ich die Tiergeräusche aus dem Zoo. Beinahe hat es etwas Meditatives, wieder und wieder über die immer glatter werdende Oberfläche des Serpentinsteins zu fahren und die wunderschönen Farben hervorzuholen. Zeitgleich erzählt mir Wimbai einiges über sein Heimatland Simbabwe. Er genießt die Gegensätze, die er hier in Europa antrifft. Abseits der Großstadt ist die Geräuschkulisse in Simbabwe eine ganz andere als hier bei uns. Und trotzdem reist er immer wieder gerne nach Europa. Lernt hier neue Leute, neue Kulturen und neue Städte kennen und entdeckt neue Landschaften, die er phantasievoll in seine Skulpturen einbaut.

Nach und nach erwacht auch mein Elefant zum Leben. Um die Farben noch mehr herauszuholen, erhitzt Wimbai ihn und bestreicht ihn danach mit Wachs. Vollkommen entzückt fahre ich im Anschluss mit meinen Fingern über den anmutig wirkenden Elefanten. Es ist mein kleines Stück Afrika, das ich jetzt zu Hause stehen habe.

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