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Die Sache mit dem Alter

Einen Monat ist es jetzt her. Hat sich etwas verändert? Irgendwie nicht und doch irgendwie alles.

Die Sache mit dem Alter ist rätselhaft. Erst kann man es kaum abwarten, älter zu werden. Wie fieberte ich meinem 18. Geburtstag entgegen. Endlich volljährig, in Clubs tanzen gehen, Auto fahren, die eigenen Entschuldigungen für die Schule schreiben – Freiheit pur. Zumindest gefühlt.

Die Zwanziger

Zwanzig zu werden war auch irgendwie recht cool, wenn auch nicht an so besondere Sachen gebunden wie der 18. Und danach? Geht es bergab? Keinesfalls. Der 25. war ein bisschen etwas Besonderes – ein viertel Jahrhundert und dann stand da auf einmal der 30. Geburtstag ins Haus. Traurig oder gar deprimiert? War ich keineswegs. Nachdenklicher? Ein bisschen, obwohl das wohl eher Kopf Sache ist, schließlich kann man sich zu jeder Zeit mit seiner Vergangenheit beschäftigen. Aber jetzt fühlte es sich notwendiger an – ein ganzes Jahrzehnt. Was ist alles passiert. Studium, mehrere Umzüge, der erste Job. Nostalgie pur. Erinnerungen an durchtanzte Nächte, Knutschereien, aber auch Lachtränen im Maskottchenkostüm und Spickzettel für die Uni. Irgendwie war da gefühlt so viel Leben drin, in den Zwanzigern.

30 – und voller Vorfreude auf´s neue Jahrzehnt!

Und dann kann das Älterwerden auf einmal ruhig warten, sagen sie. 30 gehe noch, aber danach… Aber ist das wirklich so? Ändert sich mit dieser Zahl irgendetwas? Irgendwie nicht und doch irgendwie alles. Auf einmal sind da Gedanken, die vorher nicht da waren „muss ich mich jetzt erwachsen verhalten?“ „Ist es jetzt normal gesiezt zu werden?“ oder „sollte ich mich endlich um einen Bausparvertrag kümmern?“ Man ist so alt, wie man sich fühlt, sagt ein Sprichwort. Dann fühle ich mich definitiv noch nicht richtig erwachsen. Ich glaube aber auch, dass es eher die Aufgaben und Ereignisse im Leben sind, an denen wir wachsen, und nicht die Zahl auf einer Geburtstagstorte.

Die Dreißiger

Trotzdem ist da ein neues Gefühl. Ich kann es noch nicht genau greifen, aber es hat etwas mit dieser neuen Zahl – 30 – zu tun. Ich bin gespannt, was das neue Jahrzehnt mit sich bringt und freue mich darauf, in zehn Jahren hoffentlich wieder auf ein spannendes Jahrzehnt zurückzuschauen. Und eines weiss ich ganz bestimmt: ich will auch noch in fünf Jahren ganz viele Geschenke zum Geburtstag und einen Überraschungsluftballon und ganz viel Konfetti.

Sarah Dickel ist als Journalistin und Bloggerin am Niederrhein unterwegs. 2015 hat sie ihren 2-Fach-Master in Germanistik und Niederlandistik an der Universität Duisburg-Essen abgeschlossen und ist seitdem wieder in ihrer Heimatregion unterwegs. Neben dem Schreiben engagiert sich die Wahlmoerserin auch in der lokalen Kulturszene. Auf ihrem Blog entdeckt die Journalistin die Schönheiten ihrer Heimat und lässt ihre Leser an ihrem Leben teilhaben. Mal ernsthaft, mal amüsant, aber zu 100 Prozent immer authentisch und mit Freude an ihrer Passion - dem Schreiben.