Dirty Dancing live on Tour

“Mein Baby gehört zu mir” – kaum ein Filmzitat löste so viele Begeisterungsrufe bei den Frauen hervor, wie dieser. Jetzt ist der Klassiker auch wieder auf den Bühnen unterwegs.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte um Frances “Baby” Housemann und Johnny Castle rund um den Sommer 1963. Baby ist ein junges Mädchen, das gelernt hat, für sich und seine Ziele einzutreten. Sie kommt aus einer gut situierten Familie und verliebt sich in den mittellosen Tänzer Johnny, der jeden Sommer als Tanzlehrer bei den Kellerman’s arbeitet. Johnny und Baby, die unterschiedlicher nicht sein könnten, entdecken die beflügelnde Wirkung der ersten großen Liebe, die zu ihrer “Time of my life” wird.

Einen solchen Klassiker, bei dem fast jede Frau den gesamten Film mitsprechen kann, als Bühnenversion umzusetzen, erfordert viel Liebe zum Detail. Genau diese Liebe zum Detail ist es auch, die der Zuschauer in der aktuellen Bühnenversion an vielen Ecken umgesetzt findet. Ich hatte den Eindruck, dass die aktuelle Tourversion noch näher am Film dran ist, als die vergangenen Produktionen in Oberhausen und Hamburg. Egal ob es die charmante Szene ist, in der Baby Johnny erklärt: “Ich habe eine Wassermelone getragen”, die Szene, in der Penny, Johnny Tanzpartnerin, Baby zurechtweist “Geh’ und spiel mit deinen Puppen, Baby” oder die Szene in der Johnny gegenüber Babys Vater klar macht “Mein Baby gehört zu mir” – alle prägnanten Szenen sind auch in der Bühnenversion wiederzufinden. Wer die Bühnenshow allerdings mit einem Musical vergleicht, ist fehl am Platz. Zwar werden einige Lieder auch gesungen, allerdings nichts von den Hauptdarstellern. Wer das weiß und sich darauf einlässt, wird allerdings mit einem tollen Ensemble und einer wundervollen Darstellung des Kult-Klassikers belohnt.

Besonders gefallen hat mir Anna-Louise Weihrauch. Ihre Darstellung der “Baby” war so nah am Original, das man bei geschlossenen Augen den Unterschied zu Jennifer Grey nicht hätte ausmachen können. Wundervoll hat sie die stets optimistische Baby gespielt, die im Laufe des Sommers immer mehr reift und ihre kindliche Naivität ablegt. Máté Gyenei übernimmt die Rolle des Johnny. Als der gebürtige Ungar in der ersten Szene mit schwarzer Hose, Lederjacke und schwarzer Sonnenbrille die Bühne betritt, ist es gefühlt um die Hälfte aller anwesenden Frauen geschehen. Die Chemie zwischen Gyenei und Weihrauch stimmt und so ist es nicht verwunderlich, dass die prickelnde Erotik, als beide zusammen im Wasser die Hebefigur üben, vom Publikum gebührend gefeiert wird. Ein Hauptdarstellerpaar, das es schafft, die Chemie von der Bühne aufs Publikum zu übertragen.

Neben Weihrauch und Gyenei sind es vor allem auch die starken Solo-Sänger, die die Bühnenshow zu einem Highlight machen. Mit Tertia Botha konnte die Produktion eine exzellente Sängerin verpflichten, die bei Nummern wie “Do you love me” oder “Yes” das Publikum mitreißt. Einer, dessen Talent bis zum zweiten Akt fast unentdeckt bleibt, ist Konstantin Zander. Als der Darsteller, der die Rolle des Billy verkörpert, im zweiten Akt “In the still of the night” singt, werden hier und da Taschentücher gezückt. Eine unglaublich bewegende Gesangsdarstellung, die der gebürtige Berliner da abliefert. Aber auch Marie-Luisa Kaster überzeugt mit ihren unglaublichen Tanzkünsten in der Rolle der Penny.

Wer also die Stimmung des Sommers ’63, “… bevor Präsident Kennedy ermordet wurde, bevor es die Beatles gab und als Baby es nicht abwarten konnte, der Friedensbewegung anzugehören”, noch mal erleben möchte, für den ist die Bühnenshow des Klassikers, wie ein nach Hause kommen. Ein nach Hause kommen mit verflucht erotischen Tänzen und einer Menge Spaß.

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