12. Dez 2019 · Reisen

Eisskulpturen Festival Zwolle

Was haben Dinosaurier, die Nachtwache von Rembrandt, Anne Frank und die Berliner Mauer gemeinsam? Sie sind alle in diesem Jahr Teil des Eisskulpturen Festivals Zwolle.

Schon als kleines Kind war ich immer begeistert von den Sandburgen und Skulpturen, die manch ein Hobbykünstler am Strand hinterlassen hat. Jedes Mal bewunderte ich die Fähigkeit, mit einfachen Materialien solche Kunstwerke entstehen zu lassen. Dass das natürlich nicht nur mit Sand geht, sondern auch mit Eis, wusste ich schon länger. Als ich jetzt dann die Gelegenheit bekam, Eiskünstlern über die Schulter zu schauen und einen ersten Blick auf die wunderschönen Kunstwerke beim Eisskulpturen Festival in Zwolle zu bekommen, war ich direkt Feuer und Flamme. Zumindest, bevor ich das Eiszelt betreten habe – denn danach sanken de Temperaturen auf frostige – 12 Grad. Also Handschuhe an, Mütze auf und betretet mit mir die Welt des Eisskulpturen Festivals.

Achtung, Bär!

Das diesjährige Motto des Eisskulpturen Festival heißt “R-EIS-E DURCH DIE ZEIT” und bietet den Besuchern eine Reise von den Dinosauriern über die chinesische Mauer, den Wilden Westen, die Berliner Mauer bis hinzu Marsmännchen. Zu Beginn war ich vor allem eins: total erstaunt, was man alles aus Eis herstellen kann. 40 Mitarbeiter haben zwölf Tage lang eine ganz eigene Welt in den IJsselhallen in Zwolle entstehen lassen. Insgesamt wurden 650.000 Kilogramm Schnee und Eis verarbeitet. 650.000 Kilogramm! Der helle Wahnsinn und auch der Grund dafür, dass die Veranstaltungslocation auf -12 Grad heruntergekühlt wird, denn das Eis soll natürlich nicht schmilzen.

Willkommen in der Schneeburg!

Das heißt aber natürlich auch, dass die 40 Mitarbeiter täglich acht Stunden bei -12 Grad verbringen müssen, um die Eisskulpturen für die Besucher fertigzustellen. Acht Stunden täglich! Ich laufe nur eine Stunde durch die Ausstellung und bin wirklich gut eingepackt, aber trotzdem freue ich mich nach der Stunde auf meine warme chocomel. Was die Künstler hingegen leisten, ist für mich ganz großes Kino. Nicht nur, dass sie in der Kälte arbeiten, sondern auch in den unbequemsten Positionen, um für die Besucher aus nach und nach echte Kunstwerke entstehen zu lassen.

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Einer von diesen 40 Künstlern ist Sven Morawietz aus Jena. Er arbeitet an Shaka Zulu, einem Indianer. Morawietz ist als freischaffender Künstler tätig und hat schon mit den verschiedensten Materialien gearbeitet. Zum zweiten Mal ist er in diesem Jahr auch beim Eisskulpturen Festival in Zwolle dabei. Meine erste Frage ist, als ich ihm beim Schnitzen beobachte, ob ihm nicht kalt ist: “Doch, nach so einem langen Tag wird einem schon kalt, aber man wärmt sich ja zwischendurch immer mal wieder auf”, so Morawietz lächelnd. Vollkommen konzentriert entsteht nach und nach aus dem Eis der Kopf des Indianers. Für den Künstler ist die Arbeit mit dem Eis etwas ganz Besonderes: “Es ist spannend, mit dem Eis zu arbeiten, vor allem, weil die Anatomie ja komplett passen muss. Es braucht alles die richtigen Verhältnisse”, so Morawietz. Mit ganz viel Liebe zum Detail entsteht nach und nach der Indianer.

Zum Schnitzen brauchen die Künstler allerlei Werkzeug.

Ich bin beeindruckt, mit welcher Hingabe die 40 Künstler an ihren Werken arbeiten, aber auch nicht minder beeindruckt von dem gesamten Konzept. Eric Broekaart ist der Kopf hinter diesem Spektakel. Gemeinsam mit seinem Team überlegt er sich das Konzept. Bei dem diesjährigen Motto war es dem Team wichtig, einen Eindruck der Zeitgeschichte zu geben. Klar dürfen da auch berühmte Personen wie Marco Polo, Anne Frank oder Dschingis Khan nicht fehlen. Aber auch Künstler und ihre weltberühmten Werke sind ein Teil der Ausstellung. So hat ein Team aus zwei Künstlerns Rembrandts berühmte “Nachtwache” komplett aus Eis nachgestellt.

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Wer jetzt aber glaubt, dass sei schon alles, der irrt. Nicht umsonst sind 14 große LKWs mit Eis und Schnee angerollt. Der Schnee wurde im übrigen erst vor Ort gemacht und kommt aus Deutschland. Der Prozess des Schnee machen erinnert an die Traubenlese: “Wir mussten den Schnee genauso platt stampfen”, erklärt Broekaart lachend. Immer wieder und wieder stampften alle den Schnee platt, damit er in der richtigen Form für die Künstler vorliegt. Ein Spektakelt, das mit Sicherheit auch für den einen oder anderen spaßigen Moment sorgte.

In der Lokomotive kann ein Foto gemacht werden.

Das, was man jetzt noch nicht sehen kann, sind die zahlreichen Geräusch- und Lichteffekte, die die fertigen Skulpturen am Ende in Szene setzen werden. Ich bin jetzt schon total gespannt, wie der Dinosaurier im richtigen Licht und mit Geräuschen wirkt. Bei seiner Größe sehe ich es schon kommen, dass ich mich für einen Moment mit Sicherheit erschrecken würde, wirkt er doch sehr authentisch. Aber auch die anderen Eisskulpturen wirken unglaublich echt und zeigen, mit wie viel Leidenschaft die Künstler gearbeitet haben, um auch das neunte Eisskulpturen Festival Zwolle wieder zu einem echten Highlight zu machen.

Einmal zurück in die 80er Jahre.

Acht Aggregate sorgen übrigens dafür, dass die Temperatur stetig bei -12 Grad bleibt. Mit Mütze, Schal, Handschuhen und einem dicken Mantel bewaffnet, merkt man die Kälte gar nicht mal so sehr, allerdings bewege ich mich auch die ganze Zeit laufend durch die Ausstellung, während die Künstler teilweise stundenlang an einer einzigen Skulptur arbeiten und sich nur wenig bewegen. Am Ende der Ausstellung freue ich mich trotzdem auf mein warmes Getränk und merke, wie warm +5 Grad auf einmal sein können 😉

Tipp: Wenn ihr zum Eisskulpturen Festival Zwolle fahrt (Öffnet am 14. Dezember und geht bis zum 1. März), könnt ihr den Besuch prima mit einem Besuch der Innenstadt verbinden. Eine Bimmelbahn bringt die Besucher bequem in die Innenstadt. Was ihr in Zwolle alles so erleben könnt, könnt ihr auch nochmal in meinem Blogbeitrag zum Vechtetal nachlesen. Auf jeden Fall solltet ihr den einzigartigen Buchhandel Waanders in de Broeren in einer alten Kirche besuchen. Ich habe selten solch einen wunderschönen Buchladen gesehen.

  • Werbung durch Kooperation: Dieser Blogbeitrag ist in Kooperation mit “Das andere Holland” entstanden.