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Spargelernte am Niederrhein

Es ist wieder soweit: das weiße Gold kann geerntet werden und steht zum Kauf bereit. Doch wie kommt der Spargel eigentlich auf euren Teller? Und was macht die aktuelle Situation der Corona-Pandemie mit den Landwirten, die auf Erntehelfer angewiesen sind?

Um Antworten auf all diese Fragen zu bekommen und einmal selbst Spargel zu stechen, war ich zu Besuch auf dem Spargelhof Janßen in Walbeck. Wer Spargel liebt und am Niederrhein lebt, weiß, das Walbeck das Mekka des Spargels ist. Hier gibt es nicht nur zahlreiche Spargelhöfe, sondern auch den leckersten und besten Spargel am gesamten Niederrhein.

Zu Besuch auf dem Spargelhof Janßen.

Anita Janßen begrüßt mich und nimmt mich gleich mit hinein ins Herzstück des Betriebes: Hier, direkt hinten dem Verkaufsladen, wird der Spargel gelagert, sortiert, geschält und verpackt. Aber der Reihe nach. Bevor der Spargel überhaupt verpackt werden kann, muss er auf dem Feld geerntet werden. Familie Janßen besitzt circa zehneinhalb Hektar Land, auf denen Spargel angebaut wird. Natürlich nicht immer gleichzeitig, denn, wie ich gelernt habe, nach acht Jahren Spargelernte muss ein Feld erst mal wieder ruhen.

Saisonarbeitskräfte bei der Spargelernte

Für die Spargelernte kommen extra Saisonarbeitskräfte nach Walbeck. Was all die Jahre völlig selbstverständlich war, sollte dieses Jahr für viele Landwirte zur Zerreißprobe werden, da die Grenzen zu den Nachbarländern Ende März geschlossen wurden: „Wir hatten Glück, dass vier Saisonarbeitskräfte noch kommen konnten. Der Spargel war zwar noch nicht soweit, aber sie konnten so lange bei uns wohnen und starten, so bald der erste Spargel bereit zum Stechen war“, berichtet Anita Janßen.

Das Probefeld dient zur Veranschaulichung der Spargelernte.

Freilich sind vier Erntehelfer nicht ausreichend, um den vielen Spargel zu stechen und andere Menschen dafür zu gewinnen, ist nicht so einfach: „Wer geht heute vor der Arbeit noch raus, um Spargel zu stechen?“, fragt Janßen nicht zu Unrecht und schüttelt dann lachend den Kopf: „Dabei gibt es nichts Schöneres als Spargel zu stechen. Das gibt eine enorme innere Ruhe.“

Aus der Not wurde kurzerhand eine Tugend gemacht und Tochter Nele und drei weitere Schüler und Studenten sprangen für die Spargelernte ein – denn schließlich hatten diese jetzt Zeit. So wurden aus vier Erntehelfern immerhin acht, einschließlich Tochter Nele, die jetzt ebenfalls bei der Spargelernte am Niederrhein mit anpackt.

Nele zeigt mir, wie der Spargel gestochen wird.

Um einen Eindruck von der Spargelernte zu bekommen, nimmt mich die 15-jährige Nele mit auf das Probefeld. Das Feld ist extra dafür angelegt, um das Spargelstechen zu lernen und Interessierten die Tätigkeit zu zeigen. Also perfekt für meinen ersten Versuch. Nele gräbt etwas Erde mit den Fingern weg, setzt das Stechmesser an und sticht. Es sieht gekonnt aus und in mir kommen leichte Zweifel auf, ob ich das ebenso gut hinbekomme.

22 Zentimeter Länge

Wir suchen mir einen Spargelkopf, der sichtbar ist und ich beginne ein kleines Loch zu buddeln. Nach einigen Zentimetern denke ich, dass das bestimmt passt, und will ansetzten, doch Anita Janßen kommt mir lachend zuvor: „Der weiße Spargel sollte schon 22 Zentimeter lang sein“, erklärt sie und zeigt mir anhand des Stechmessers, wie lang das in etwa ist. Ups, mein Spargel wäre jetzt vielleicht 15 Zentimeter geworden, also weiter buddeln.

Dann ist das Loch aber tief genug und ich will zum Stechen ansetzen. Leichter gesagt als getan. Da ich das Loch nicht ganz direkt am Spargel gegraben habe, fällt es mir schwer, den Spargel zu stechen. Mehrere Versuche benötige ich, doch dann klappt es und ich ziehe meinen ersten selbstgestochenen Spargel aus der Erde.

Mein erster gestochener Spargel.

Nun gut, das Ende sieht reichlich zerfleddert aus, aber hier gilt, wie wohl überall: Übung macht den Meister. Ich bewundere, wie leicht Nele die Arbeit mittlerweile von der Hand geht und sie erzählt mir, dass sie mittlerweile Gefallen an der Arbeit gefunden hat. Spargelernte anstatt Schule. Mit Sicherheit aktuell nicht die schlechteste Art, seine Zeit zu verbringen.

Mindestens drei Stunden ruhen

Als Nächstes muss der Spargel nun bewässert und gekühlt werden und mindestens drei Stunden ruhen. Danach wird er mithilfe einer Sortiermaschine sortiert: „Früher haben wir das noch selbst gemacht – da sind dann täglich mal eben 14 – 16 Stunden dafür drauf gegangen“, berichtet Anita Janßen. Heute erleichtert die Sortiermaschine diese Arbeit enorm.

Am Ende steht der Spargel in großen Behältern fertig zum Verkauf bereit.

Nach der Sortierung wird der Spargel dann in große Körbe gepackt und entweder mit auf den Wochenmarkt genommen oder vor Ort im eigenen Hofladen verkauft. Wer einmal gesehen hat, wie viel Arbeit hinter der Spargelernte steckt, versteht auch die Preise des Spargels.

Ich bin sehr beeindruckt, mit wie viel Liebe die Janßens ihre Arbeit erledigen, aber wahrscheinlich ist es auch genau dieser Punkt, der die Arbeit ausmacht: „Wir lieben, was wir machen“, gesteht Anita Janßen lächelnd. Und das sieht – und schmeckt man.

Wollt ihr noch mehr Ideen haben, was man am Niederrhein machen kann? Die nächsten Ideen stehen schon und es wird bald neue Blogposts geben. Folgt mir gerne auf Instagram und Facebook und erfahrt, wenn es etwas Neues gibt. Bis bald!

  • unbezahlte und unbeauftragte Werbung: Dieser Blogbeitrag enthält Verlinkungen zum Spargelhof Janßen.

Sarah Weber ist als Journalistin und Bloggerin am Niederrhein unterwegs. 2015 hat sie ihren 2-Fach-Master in Germanistik und Niederlandistik an der Universität Duisburg-Essen abgeschlossen und ist seitdem wieder in ihrer Heimatregion unterwegs. Neben dem Schreiben engagiert sich die Wahlmoerserin auch in der lokalen Kulturszene. Auf ihrem Blog entdeckt die Journalistin die Schönheiten ihrer Heimat und lässt ihre Leser an ihrem Leben teilhaben. Mal ernsthaft, mal amüsant, aber zu 100 Prozent immer authentisch und mit Freude an ihrer Passion - dem Schreiben.