Großstadtmädchen auf’m platten Land

Ich dachte, ich wohne schon ländlich und sei an alles gewöhnt. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Meine neue Arbeit wird mich noch weiter an den Niederrhein führen. Noch weiter meint, noch tiefer in die Gefilde des Niederrheins. Meine Heimatstadt Moers liegt ja relativ am Rande des Niederrheins und ist zudem noch eine Großstadt. Selbst wenn wir manchmal meinen, wir wohnen schon dörflich ist das nichts und ich meine wirklich gar nichts, gegen die richtigen Niederrheiner, die auf kleinen Dörfern leben. Ich bin gespannt darauf, sie kennenzulernen. Geschichten zu erleben und Orte zu besuchen.

Wo wir auch direkt bei einer meiner ersten Begegnung mit dem platten Land wären. Zum 25. Geburtstag des Kulturraums Niederrhein ging es nämlich nach Wissen. Wissen liegt bei Weeze und beherbergt unter anderem ein wunderschönes Schloss. In diesem Schloss fand die Feier statt. Beziehungsweise hier lag das erste Problem: Ich dachte, es findet IM Schloss statt. Dem war allerdings nicht so. Es fand draußen statt. Und ich hatte lediglich ein Kleid mit leichter Lederjacke an, nicht wie alle anderen einen Wintermantel. Blöd, vor allem als die Sonne weg war und es bitterkalt wurde. Das erste Problem ereignete sich aber bereits auf dem Weg vom Parkplatz zum Schlossinnenhof. Ich hatte mich chic gemacht und seit Ewigkeiten mal wieder hohe Schuhe an. Parken musste man allerdings auf einem Feld. So richtig schön mitten auf Mutter Erde, die ich dann auch gleich an meinen Absätzen mitnahm. Na ja, immerhin habe ich meine Zehen trainiert, indem ich das ganze Feld nur auf meinen Zehen entlang stakste und ich weiß, dass ich sofort mindestens zwei Dinge in meinem Kofferraum lagere: eine Decke und robuste Schuhe.

Die Location ist wirklich ein Traum, anders kann man es nicht sagen. Wer von euch mal in der Gegend um Weeze ist, sollte sich das Schloss unbedingt einmal anschauen. Das Programm zum 25 Jubiläum war wirklich super ausgewählt. Es gab Theaterstücke, Musik, Lesungen … ein buntes Potpourri aus niederrheinischer Kultur. Und als ich da so bibbernd saß und mir die Besonderheiten vom Niederrhein von echten Niederrheinern anhörte, dünkte es mir, dass ich mich freue, noch viel mehr über dieses besondere Stück Land kennen zulernen. Denn ich mag die Weite, die den Niederrhein umgibt. Ich mag die Nähe zu den großen Städten. Ich mag das Wasser, das vielerorts zu finden ist. Ich mag die Nähe zu den niederländischen Nachbarn und ihren so wundervollen Akzent, wenn sie Deutsch sprechen. Ich mag es selbst Niederländisch zu sprechen und in die Niederlande zu reisen. Ich mag die Menschen, die hier wohnen. Ich mag, wie Dinge angepackt werden und Wunder, wenn es auch manchmal nur kleine sind, geschehen. Ich gebe zu, ich mag einfach den Niederrhein.

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