Der Blick auf’s Handy

„Können Sie weitergehen, wenn Sie sowieso nur auf’s Handy starren?“ Dieser Satz ärgerte mich – und brachte mich zum Nachdenken.

Eines schönen Tages auf dem Weihnachtsmarkt, so oder so ähnlich muss doch jede Weihnachtsgeschichte anfangen, oder? So begab es sich aber wirklich. Zu einer Zeit, in der die Elektronik es erlaubte, Nachrichten an Menschen nicht persönlich oder per Telefon zu übermitteln, sondern mittels einer neumodischen Erfindung, die sich WhatsApp nennt, war ich trotz dieser Erfindung persönlich mit einer Freundin auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs. Hier ist natürlich schon der erste Fauxpas, ich bin mit einer Freundin unterwegs, verbringe also gerade Zeit mir ihr und – schreibe währenddessen eine WhatsApp an eine andere Freundin. Nun habe ich aber, und ich bedanke mich sehr dafür, Gott sei Dank Freundinnen, die das nicht so eng sehen und dies sogar selber praktizieren (auch ich bin da durchaus tolerant unterwegs). Ich konnte also ohne schlechten Gewissen weiter über den Markt stöbern. Obwohl, genau hier liegt ja der Hund begraben …

Können Sie weitergehen, wenn Sie sowieso nur auf’s Handy starren?“

Es begab sich also an einem Marktstand, an dem besagte Freundin durch die Auslage stöberte, um ein Geschenk zu finden. Ich schaute mich erst mit um, wurde aber nach wenigen Minuten abgelenkt von meinem Handy. Nein, stimmt gar nicht. Ich nahm es bewusst(!), ich weiß, ich schäme mich, aus meiner Tasche. Nicht mal zwei Sekunden später, ohne zu übertreiben, und da ich das gerne tue, weiß ich durchaus, was das bedeutet, rügte mich der Verkäufer und bat mich zur Seite zu treten, ich würde ihm seine potentielle Kundschaft wegnehmen. Ich war baff und packte mein Handy weg, was natürlich unsinnig war, da ich gleichzeitig zur Seite getreten war und somit ruhig weiter hätte herum daddeln können am Handy.

Nun aber zur Krux der Geschichte: Ich daddelte gar nicht herum, sondern musste auf eine wichtige Nachricht von der Arbeit warten und deshalb öfters auf mein Handy schauen, um eine Schatzsuche zu managen. Das konnte der gute Verkäufer natürlich nicht wissen, trotzdem war ich aufgrund des barschen Tones etwas eingeschnappt. Na ja, eigentlich war ich mega sauer, um ehrlich zu sein.

Zu einer wahren Geschichte gehört für mich auch der Moment der Erkenntnis. Der kam bei mir erst später. Zwar finde ich den Ton des Verkäufers nach wie vor nicht angebracht, aber ich erkenne doch auch seine Not. Mit Sicherheit ist es ärgerlich, wenn die meiste Zeit nur Menschen an seinem Stand stehen, die die Sicht auf die Dinge, die er anbietet, mit ihrem in der Hand haltendem Handy versperren. Und ja, ich gelobe Besserung, hier und da mein Handy mal zur Seite zu legen (obwohl ich mit Sicherheit nicht zu der schlimmsten Sorte der Handysüchtigen gehöre). Im Gegenzug erwarte ich dafür auch nur eine winzige Kleinigkeit von dem Verkäufer und allen anderen Menschen: Freundlichkeit.

In diesem Sinne: ein wundervolles Weihnachtsfest euch allen!

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